Klimaanlagen, Enteroviren und Allergene machen Erkältungen im Sommer häufiger als gedacht
Draußen scheint die Sonne, das Thermometer klettert – und trotzdem tropft die Nase, kratzt der Hals. Was viele als Sommergrippe bezeichnen, ist meist eine Erkältung in der warmen Jahreszeit. Anders als die echte Grippe verläuft der Sommerschnupfen milder, kann aber Urlaub und Freizeit beeinträchtigen.
Die Ursachen reichen von speziellen Viren über Klimaanlagen bis hin zu Allergien. Die Vorbeugung unterscheidet sich teils deutlich von den Maßnahmen im Winter.
Andere Erreger als im Winter
Hinter einem Schnupfen im Sommer stecken meist andere Erreger als in der kalten Jahreszeit. Während im Winter vor allem Rhinoviren die Schleimhäute befallen, sind es im Sommer häufig Enteroviren wie Coxsackie- oder Echoviren, die von Juli bis September vermehrt auftreten. Auch Para-Influenza-Viren und vereinzelt Corona-Viren können im Sommer Atemwegsinfekte auslösen.
Die Symptome ähneln denen einer klassischen Erkältung: Schnupfen, Halsschmerzen, leichte Kopfschmerzen, manchmal Husten – meist jedoch ohne hohes Fieber. Der Verlauf ist schleichend, nicht abrupt wie bei einer echten Grippe. In der Regel klingt alles innerhalb von sieben bis zehn Tagen von selbst ab.
Neben viralen Infekten kann im Sommer auch eine allergische Rhinitis für Schnupfensymptome sorgen. Gräserpollen, Getreidepollen und Unkräuter wie Ambrosia haben im Mai, Juni und teils bis in den Herbst Hochsaison. Die Beschwerden – Niesen, laufende oder verstopfte Nase, manchmal tränende Augen – ähneln denen eines viralen Schnupfens, treten aber typischerweise bei Pollenflug auf und bessern sich bei Regen oder in geschlossenen Räumen.
Warum die Abwehr im Sommer schwächelt
Mehrere Faktoren schwächen die Abwehr der Schleimhäute und öffnen Viren die Tür. Klimaanlagen trocknen die Raumluft aus und kühlen sie stark ab. Wer aus der Hitze in einen klimatisierten Raum wechselt, setzt die Schleimhäute abrupten Temperaturschwankungen aus. Das vermindert die Durchblutung und die Aktivität des Flimmerepithels, das normalerweise Krankheitserreger abfängt.
Auch nasse Badekleidung, die länger auf der Haut bleibt, oder Zugluft im Auto können den Körper auskühlen und die Abwehr vorübergehend schwächen. Viele Menschen sind im Sommer körperlich aktiver – Sport bei Hitze, lange Wanderungen oder ausgiebiges Schwimmen belasten das Immunsystem zusätzlich.
Die Urlaubszeit begünstigt Infektionen: In Flugzeugen, Hotels und öffentlichen Verkehrsmitteln treffen viele Menschen auf engem Raum zusammen. Die Übertragung per Tröpfcheninfektion ist damit leichter.
So unterscheiden Sie Infektion und Allergie
Viraler Schnupfen beginnt meist mit Kratzen im Hals oder leichten Kopfschmerzen. Die Symptome entwickeln sich über ein bis zwei Tage und klingen nach etwa einer Woche ab. Das Nasensekret ist anfangs klar und wässrig, kann später dickflüssig und gelblich werden.
Allergischer Schnupfen tritt plötzlich auf, sobald Sie mit dem Allergen in Kontakt kommen, und verschwindet ebenso schnell wieder, wenn Sie dem Auslöser ausweichen. Das Sekret bleibt klar und dünnflüssig, oft begleitet von heftigem Niesen und Juckreiz in Nase oder Augen. Fieber fehlt bei Allergien fast immer.
Treten die Beschwerden Jahr für Jahr zur selben Zeit auf oder bessern sie sich in geschlossenen Räumen, spricht das für eine saisonale allergische Rhinitis. Im Zweifel hilft ein Hauttest beim Arzt, das Allergen zu identifizieren.
Was gegen Sommerschnupfen hilft
Die Behandlung eines viralen Sommerschnupfens zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und dem Körper Ruhe zur Erholung zu geben. Abschwellende Nasentropfen oder -sprays erleichtern das Atmen, sollten aber nicht länger als fünf bis sieben Tage angewendet werden. Nasenspülungen mit isotonischer Kochsalzlösung befeuchten die Schleimhäute und spülen Viren und Sekret aus. Inhalationen mit Wasserdampf wirken schleimlösend und beruhigend.
Trinken Sie ausreichend, vor allem Wasser oder Kräutertees. Das hält die Schleimhäute feucht. Honig kann bei Halsschmerzen lindernd wirken, sollte aber nicht an Kinder unter einem Jahr gegeben werden. Verzichten Sie auf starke körperliche Anstrengung, bis die Symptome abgeklungen sind.
Bei allergischem Schnupfen sind nasale Kortikosteroide das Mittel der ersten Wahl. Sie wirken entzündungshemmend und werden oft mit oralen oder nasalen Antihistaminika kombiniert, die Juckreiz und Niesen rasch lindern. Auch hier helfen Nasenspülungen, Pollen auszuwaschen.
Wann Sie zum Arzt gehen sollten
In den meisten Fällen heilt Sommerschnupfen von selbst aus. Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen nicht besser werden oder sich verschlimmern, wenn hohes Fieber auftritt, wenn das Nasensekret dauerhaft gelblich-grün verfärbt ist oder wenn starke Kopf- oder Gesichtsschmerzen hinzukommen – das kann auf eine Nasennebenhöhlenentzündung hinweisen.
Bei Kindern unter zwei Jahren sollten Sie bei Husten oder Fieber grundsätzlich ärztlichen Rat einholen. Auch wenn Sie unsicher sind, ob eine Allergie vorliegt, hilft eine Abklärung durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Allergologen.
So beugen Sie vor
Viele Infekte lassen sich vermeiden, wenn Sie einige Vorsichtsmaßnahmen beachten. Meiden Sie starke Temperaturwechsel: Stellen Sie Klimaanlagen nicht zu kalt ein – ein Unterschied von etwa sechs Grad zur Außentemperatur gilt als verträglich. Wechseln Sie nasse Badekleidung rasch und trocknen Sie sich gründlich ab.
Stärken Sie Ihr Immunsystem durch ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, ausreichend Schlaf und regelmäßige, moderate Bewegung. Vermeiden Sie Überanstrengung bei großer Hitze. Waschen Sie sich häufig die Hände, besonders nach Kontakt mit vielen Menschen.
Wenn Sie zu Allergien neigen, lüften Sie in den frühen Morgenstunden oder am Abend, wenn die Pollenkonzentration niedriger ist. Bürsten Sie abends die Haare gründlich aus oder waschen Sie sie, um Pollen zu entfernen. Pollenschutzgitter an den Fenstern halten Allergene draußen.
Häufige Fragen zu Sommerschnupfen
Was ist Sommerschnupfen?
Sommerschnupfen bezeichnet eine Erkältung in der warmen Jahreszeit, meist ausgelöst durch Enteroviren oder Para-Influenza-Viren. Er verläuft milder als eine echte Grippe und äußert sich durch Schnupfen, Halsschmerzen und leichte Kopfschmerzen, meist ohne hohes Fieber.
Was sind die Ursachen für Sommerschnupfen?
Häufigste Ursachen sind virale Infekte durch Enteroviren, begünstigt durch Klimaanlagen, Zugluft, nasse Badekleidung und Temperaturwechsel, die die Schleimhäute schwächen. Auch allergische Rhinitis durch Gräser- oder Getreidepollen kann im Sommer Schnupfensymptome auslösen.
Wie äußert sich Sommerschnupfen?
Typische Symptome sind laufende oder verstopfte Nase, Halsschmerzen, leichte Kopfschmerzen und manchmal Husten. Der Verlauf ist schleichend, Fieber fehlt meist oder bleibt niedrig. Die Beschwerden klingen in der Regel innerhalb von sieben bis zehn Tagen ab.
Was hilft gegen Sommerschnupfen?
Abschwellende Nasentropfen, Nasenspülungen mit Kochsalzlösung, Inhalationen und ausreichend Flüssigkeit lindern die Symptome. Ruhe und Schlaf unterstützen die Genesung. Bei allergischem Schnupfen helfen nasale Kortikosteroide und Antihistaminika.
Wie lange dauert Sommerschnupfen?
Ein viraler Sommerschnupfen dauert meist sieben bis zehn Tage. Die Symptome entwickeln sich über ein bis zwei Tage und klingen dann allmählich ab. Bessern sich die Beschwerden nach drei Tagen nicht, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Ist Sommerschnupfen ansteckend?
Ja, viraler Sommerschnupfen ist ansteckend, solange Viren ausgeschieden werden – in der Regel in den ersten Tagen der Erkrankung. Die Übertragung erfolgt per Tröpfcheninfektion oder über kontaminierte Oberflächen. Allergischer Schnupfen ist nicht ansteckend.

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