Neue Mobilität auf dem Land: Erste Bilanz des Testbetriebs „flexibler Rufbus“

Rufbus Uckermark: Testbetrieb zieht erste Bilanz nach einem halben Jahr

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1.240 Fahrten – der Landkreis Uckermark wertet aus, bevor der Kreistag entscheidet

Der Rufbus Uckermark erprobt seit März 2026 in drei Gemeinden einen erweiterten Testbetrieb. Nach sechs Monaten liegen erste Zahlen vor: 1.240 Fahrten, eine durchschnittliche Wartezeit von 18 Minuten und eine Auslastung, die höher ausfällt als erwartet. Über die Fortführung entscheidet der Kreistag im Dezember.

Lesezeit: 3–5 Min

Ein Rufbus ist ein bedarfsgesteuertes Angebot im öffentlichen Nahverkehr: Er fährt nicht dauerhaft leer nach einem starren Takt, sondern wird nach vorheriger Buchung eingesetzt. Gerade im ländlichen Raum kann er Wege ermöglichen, für die ein klassischer Linienbus zu selten oder wirtschaftlich nicht sinnvoll verkehren würde. Das hilft beim Einkaufen, bei Besuchen und sozialen Kontakten – und verbessert besonders den Zugang zur Gesundheitsversorgung. Arzttermine, Apothekengänge sowie therapeutische oder pflegerische Angebote werden für ältere Menschen und für Personen ohne eigenes Auto verlässlicher erreichbar.

Was ist der Rufbus Uckermark und wer testet ihn?

Koordiniert wird der Testbetrieb von Kerstin Adamczyk beim Landkreis. Sie berichtet, der Betrieb laufe „seit dem 2. März 2026 in drei Gemeinden mit zusammen rund 6.800 Einwohnern“, wie sie im Gespräch für das Testprotokoll vom 10. September 2026 erläuterte. Gefahren wird „montags bis samstags von sechs bis zweiundzwanzig Uhr, sonntags gar nicht“. Damit richtet sich das Angebot an alle Einwohner der beteiligten Gemeinden, unabhängig von Alter oder Anlass der Fahrt – von Schülern über Berufspendler bis zu älteren Menschen, die zum Arzt oder Einkaufen müssen.

Der Landkreis Uckermark ist laut seinem Mobilitätskonzept traditionell stark vom motorisierten Individualverkehr geprägt. Wer kein eigenes Auto hat, ist in vielen Teilen der Region auf ein dünnes Liniennetz angewiesen. Genau hier setzen flexible Bedienformen wie der Rufbus an: Sie ersetzen keinen vollständigen Linienverkehr, sondern ergänzen ihn dort, wo die Nachfrage zu gering für feste Fahrpläne ist.

Wie funktioniert der Rufbus in der Uckermark – und wie bucht man ihn?

Der Uckermärkische Rufbus folgt einem festen Prinzip: Er verkehrt nach einem festgelegten Fahrplan zwischen bestimmten Haltestellen, wird aber nur eingesetzt, wenn zuvor eine Buchung eingegangen ist. Anders als ein Taxi lässt er sich nicht spontan zu einem beliebigen Ziel rufen, sondern hält sich an feste Zeiten und Haltepunkte; wer den Bus nicht rechtzeitig bestellt, wird nicht bedient.

Für den aktuellen Testbetrieb gilt laut Adamczyk eine Voranmeldefrist, die bislang bei 60 Minuten liegt. Die Buchung selbst erfolgt größtenteils digital: „68 Prozent der Buchungen kommen über die App, 32 Prozent per Telefon“, so Adamczyk. Bei älteren Fahrgästen kehrt sich dieses Verhältnis nahezu um, bei den über Siebzigjährigen dominiert die telefonische Buchung deutlich. Deshalb bleibe die Telefonnummer bestehen, „solange es den Rufbus gibt“, wie die Koordinatorin betont.

Diese Doppelstruktur aus App und Telefon deckt sich mit den bestehenden Rufbus-Angeboten in Angermünde und Gartz, die laut Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) ebenfalls sowohl online als auch telefonisch unter der Nummer 03332 442755 gebucht werden können, täglich zwischen 8 und 24 Uhr. Für Gruppen ab zehn Personen oder bei Nutzung eines Rollstuhls gilt dort eine verlängerte Anmeldefrist von 72 Stunden vor Fahrtantritt – eine Regelung, die auch in anderen Uckermärker Rufbus-Gebieten üblich ist.

Preislich orientiert sich der Testbetrieb an einem eigenen Modell: Eine Fahrt kostet den Landkreis nach Angaben von Adamczyk 11,40 Euro, die Fahrgäste zahlen einen Eigenanteil von drei Euro, ermäßigt für Schüler und Schwerbehinderte zur Hälfte. Das unterscheidet sich vom bestehenden Rufbus-Tarif in Angermünde und Gartz, wo der reguläre VBB-Tarif zuzüglich eines Komfortzuschlags von einem Euro an Wochenenden und Feiertagen gilt.

Welche Ergebnisse liefert der Testbetrieb bislang?

Die Zwischenbilanz nach einem halben Jahr fällt aus Sicht der Koordinatorin überwiegend positiv aus. Im ersten Halbjahr kamen 1.240 Fahrten zusammen, die durchschnittliche Wartezeit zwischen Buchung und Abholung liegt bei 18 Minuten. Bemerkenswert ist die Auslastung: „Pro Fahrt sitzen im Schnitt 2,3 Fahrgäste im Bus, das ist mehr, als wir erwartet hatten“, so Adamczyk.

Diese Größenordnung lässt sich in den bundesweiten Kontext einordnen. Der Handlungsleitfaden zur nachhaltigen Mobilität in ländlichen Räumen verweist etwa auf den Hofer LandBus als Beispiel für ein modernes On-Demand-System (bedarfsgesteuertes Verkehrsangebot), das ähnliche Ziele verfolgt: die Erschließung ländlicher Räume abseits bestehender ÖPNV-Verbindungen zu stärken. Auch der Schlussbericht zum sogenannten MultiBus-Nahbussystem kommt zu dem Schluss, dass derartige Angebote ökonomisch, ökologisch und gesellschaftlich erfolgreich sein können, wenn sie passgenau auf die jeweilige Region zugeschnitten sind.

Für den Landkreis Uckermark bedeutet das: Der Testbetrieb bestätigt grundsätzlich die Annahme, dass Bedarfsverkehr in dünn besiedelten Gemeinden angenommen wird, wenn er verlässlich und einfach zugänglich ist. Adamczyk fasst die Grundphilosophie so zusammen: „Wir haben den Rufbus nicht gegen den Linienverkehr gebaut, sondern für die Lücken, die er lässt.“

Welche Vorteile bringt der Rufbus für die Mobilität im ländlichen Raum?

Der zentrale Nutzen liegt in der Flexibilität. Wo klassische Linienbusse aus Kostengründen ausgedünnt oder ganz eingestellt werden, kann ein bedarfsgesteuertes Angebot Mobilität aufrechterhalten, ohne dass leere Busse durch die Landschaft fahren. Das Mobilitätskonzept des Landkreises benennt dies als Ziel: Innovative Technologien im Bereich On-Demand-Mobility sollen dazu beitragen, auch Kommunen ohne bislang ausreichende ÖPNV-Anbindung Zugang zu flexibler, bedarfsgerechter Mobilität zu verschaffen.

Praktisch bedeutet das für die Nutzer im Testgebiet: Wer kein eigenes Auto hat oder nicht mehr fahren möchte, kann Arztpraxen, Apotheken und therapeutische Angebote ebenso erreichen wie Geschäfte, Freizeitangebote oder soziale Kontakte. Gerade für ältere Menschen sowie für Personen, die freiwillig oder unfreiwillig auf ein eigenes Fahrzeug verzichten, kann der Rufbus damit ein Stück Selbstständigkeit sichern. Die vergleichsweise kurze durchschnittliche Wartezeit von 18 Minuten unterstreicht, dass das System im Testgebiet bislang zuverlässig funktioniert.

Auch die bestehenden Flächen-Rufbusse in Angermünde und Gartz zeigen, wie ein solches Angebot über reine Ortsverbindungen hinausgehen kann. Der Rufbus Angermünde dient nach Angaben des VBB auch als Zubringer zum Regionalverkehr am Bahnhof Angermünde, mit Anschlüssen etwa nach Stralsund oder Berlin, sowie als Anschluss an den PlusBus zur Nationalparklinie. Der Rufbus Gartz wiederum erschließt ein Fahrgebiet rund um den Nationalpark Unteres Odertal und die dortigen Naturschutzgebiete.

Wo liegen die Herausforderungen – und wie geht es weiter?

Trotz der positiven Zwischenbilanz zeigt der Testbetrieb auch Schwachstellen. Die größte Hürde, so Adamczyk, war nicht die Technik, sondern der Buchungsschluss von einer Stunde: „Wer spontan zum Arzt muss, plant nicht sechzig Minuten im Voraus.“ Als Konsequenz will der Landkreis die Voranmeldefrist im Herbst 2026 auf 30 Minuten senken. Damit reagiert der Testbetrieb direkt auf ein Nutzerbedürfnis, das in der Praxis offenbar häufiger auftritt als angenommen.

Eine zweite Herausforderung betrifft die Finanzierung. Eine Fahrt kostet den Landkreis 11,40 Euro, während die Fahrgäste nur einen Bruchteil davon als Eigenanteil zahlen. Diese Differenz muss aus öffentlichen Mitteln gedeckt werden. Adamczyk macht deutlich, dass die Zukunft des Angebots eng an die Förderung durch das Land Brandenburg geknüpft ist: „Ohne Förderung wird es den Rufbus in dieser Form nicht geben.“

Über die Fortsetzung entscheidet der Kreistag im Dezember 2026. Sollte das Land die Förderung fortschreiben, rechnet die Koordinatorin mit einer Ausweitung auf zwei weitere Gemeinden. Damit würde der Testbetrieb, der bislang auf drei Gemeinden mit rund 6.800 Einwohnern begrenzt ist, deutlich wachsen und einen größeren Teil der Uckermark abdecken.

Der Handlungsleitfaden zur nachhaltigen Mobilität in ländlichen Räumen unterstreicht dabei die Bedeutung von kontinuierlichem Monitoring: Regelmäßige Zwischenevaluationen seien notwendig, um Anpassungsbedarfe bei Mobilitätsangeboten frühzeitig zu erkennen. Genau diesen Prozess durchläuft der Rufbus Uckermark derzeit, die Senkung der Buchungsfrist ist ein direktes Ergebnis dieser laufenden Auswertung.

Fazit der Zwischenbilanz

Der Rufbus-Testbetrieb in der Uckermark liefert nach einem halben Jahr überwiegend ermutigende Zahlen: hohe Auslastung, kurze Wartezeiten und eine wachsende Akzeptanz sowohl über die App als auch über die Telefonhotline. Gleichzeitig zeigt sich, dass ein starres Buchungsfenster den Alltagsnutzen einschränken kann, weshalb der Landkreis nachjustiert. Ob das Angebot dauerhaft bestehen bleibt und auf weitere Gemeinden ausgeweitet wird, hängt maßgeblich von der Entscheidung des Kreistags im Dezember und von der Fortschreibung der Landesförderung ab.

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